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Neuraltherapie



Was die Revision der Pathologie angeht, so ist die Zeit einer Revision gekommen -sie ist gereift, sie hat zu beginnen, und das um so mehr, als wir bei dieser Revolution nichts weiter zu verlieren haben, als Ketten.



A. D. Speranski

 

Die Neuraltherapie arbeitet bei Krankheiten und Störfeldern sowie Schmerzzuständen mit der Injektion von Lokalästhetika.


Viele Krankheiten, mit denen wir täglich zu tun haben, sind eine Erscheinungsform des Lebendigen die reversibel ist, wenn man die Ursachen und ihre Merkmale frühzeitig genug direkt angeht oder die Reaktionsweise des Organismus z. B. durch Umstimmung verändert.

Die Neuraltherapie ist primär eine Regulations- und Umstimmungstherapie, deshalb ist sie besonders geeignet für die Behandlung einer großen Anzahl funktioneller Störungen.

Wir können uns da auch auf die "Neutralpathologie" (Ricker, Speranski, H.Heine) , die "Humoralpathologie" (H. Heine, G. Kellner, A. Pischinger), die Regulationspathologie (Bergsma, Perger) und die Biokybernetik (Wiener), die die moderne medizinisch-naturwissenschaftliche Auffassung maßgebend beeinflusst haben, stützen. Sie haben nämlich alle die von den Brüdern Hunecke in der Empirie gefundenen Erkenntnisse durchaus bestätigt und theoretisch untermauert. Daher der oft gebrauchte Begriff "vegetative Gleichgewichtsstörungen".
Außerdem beweisen sie doch, dass sich auf den verzweigten Bahnen im Körper bis zur letzten Zelle aufzweigenden vegetativen Nervensystems, ein voneinander abhängiges kybernetisches Wechselspiel von der Peripherie -außen Haut- zur Zentrale und umgekehrt, besteht.
Im Zusammenwirken aller Zellen und Organe zu einer Ganzheit wird Leben überhaupt erst möglich.

 

"Die Schmerzen sind´s
die ich zu Hilfe rufe.
Denn sie sind Freunde,
Gutes raten sie."

 

GOETHE

 

Entstehungsgeschichte der Neuraltherapie


1905 wurde das erste synthetische Lokalanästhetikum (Novocain) entwickelt.
Daraufhin entstand aus Einzelbeobachtungen und therapeutischerEffekte die "Heilanästhesie".
Daraus entwickelten die Gebrüder Walter und Ferdinand Hunecke eine eigenständige Therapiemethode, die heute eine eigene Wissenschaft ist.
1940 löste Ferdinand Hunecke unverhofft das sog. Sekundenphänomen aus.
Das geschah bei einer Patientin mit starken Schulterschmerzen, die er schon länger lokal und mit der Segmenttherapie behandelte. Nach einiger Zeit trat eine Reizung einer alten Osteomyelitisnarbe am Unterschenkel auf. Als Hunecke diese mit dem Lokalanästhetikum infiltrierte, verschwanden schlagartig die Schulterschmerzen. Er erkannte, dass es sich hier nicht um einen Zufall handeln konnte, sondern dass chronische Beschwerden durch tieferliegende Störfelder verursacht und in Gang gehalten, bzw. unterhalten werden.

 

Hunecke stellte drei Lehrsätze als Ergebnis seiner Arbeit auf:

- Jede chronische Krankheit kann störfeldbedingt sein
- Jede Stelle des Körpers kann zum Störfeld werden
- Die Procaininjektion in das schuldige Störfeld heilt störfeldbedingte Krankheiten

Er stellte auch fest, dass zwischen der Entstehung eines Störfeldes und der Auslösung einer störfeldbedingten Erkrankung viele Jahre vergehen könnnen.
Des weiteren ging Hunecke davon aus, dass Beschwerden an einem Körperteil nicht unbedingt durch eine Erkrankung an dieser Stelle hervorgerufen wird.


Wirkmechanismen der Neuraltherapie

Lokalanästhetika wirken schmerzstillend, entzündungshemmend, das Lymphsystem anregend und sie können die Gerinnung verändern. Außerdem wirkt es über die Schmerzausschaltung hinaus auch noch kapillarabdichtend, gefäßerweiternd und krampflösend. Es werden vorrangig Procain, Lidocain und Impletol (ein 2%-iges Procain-Lidocain-Gemisch) eingesetzt. Lokale, segmentale und auch übergeordnete Regelkreise werden mit der Neuraltherapie angesprochen. Man stellte fest, dass die Zellen der Störfelder ein erniedrigtes - elektrisches Potential, Volt-Zahl haben. Dieses erhöht sich sofort durch die Injektion mit einem Neuraltherapheutikum um ein vielfaches. Somit werden diese Zellen ab sofort besser mit Blut und dessen Bestandteilen, Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Diese Zellen werden wieder aufgeladen, in Richtung Normwert. Man kann dieses Phänomen mit der Elektroakupunktur nachmessen. Ein Beispiel der lokalen Regulationsverbesserung ist die Durchbrechung des Schmerzzyklus:Schmerz-Verspannung-Minderdurchblutung-Schmerz. Häufig entstehen hier Myogelosen (sulzige Muskelknoten durch Schlackebildung), schmerzhafte Stellen, ganz besonders an Muskelansätzen. Die nervalen Zusammenhänge, dass bei Erkrankungen der inneren Organe in bestimmten Haut- und Unterhautregionen und Arealen Veränderungen auftraten, stellten schon Head und Mackenzee fest. Sie entdeckten die antiviseralen Reflexbögen, Nervenverbindungen zwischen Haut und inneren Organen, deren sich die Neuraltherapie wie auch andere Reflextherapien bedienen. Hierbei wird besonders die Segmenttherapie eingesetzt. Greift sie nicht, so sollte eine Störfeldtherapie eingeleitet werden.

Technik, Durchführung und Vorgehen in der Neuraltherapie

In der Neuraltherapie stehen dem Therapeuten unterschiedliche Anwendungsformen zur Verfügung:


Lokaltherapie

Injektionen direkt in gestörte, unterversorgte Gewebestrukturen, wie z. B. Muskelansätze, Myogelosen (Verdickungen), Wundränder bei offenen Beinen, Narben-Infiltration, Triggerpunkte (schmerzhafte Stellen).


Segmenttherapie


Folgende Zonen, die dem gestörten Gewebe des entsprechenden spinalen Segments zugeordnet sind, werden behandelt. Vorrangig werden in den Head-Zonen, aber auch an die Wirbelgelenke, Quaddeln gesetzt.


Injektion in eine Nervenschaltzelle, ein so genanntes Ganglion

Dadurch erfolgt eine Linderung von Schmerzzuständen im Versorgungsbereich der Nerven.


Injektionen in ein venöses Blutgefäss (intravenöse Injektion)

Besonders bei Durchblutungsstörungen der Beine.


Jede chronische Krankheit kann durch ein Störfeld bedingt sein!
Es kann außerhalb der segmentalen Zuordnung und der lokalen Schmerzstelle liegen.

Störfeldsuche- und Behandlung

Hat man das Störfeld gefunden, durch eine genannte Anamese oder mit Hilfe der Elektroakupunktur (Hautwiderstandsmessung), kann es durch Injektion mit einem Lokalanästhetikum beseitigt werden. Dabei sollte ein sogenanntes Sekundenphänomen, das auch als Huneke-Phänomen bekannt ist, ausgelöst werden, mit einem sofortigen Verschwinden der Fernstörungen.

Gelegentlich kommt es vor, dass die Beschwerden schon nach einer Behandlung behoben sind. Häufig muss sich der Patient jedoch noch einige Male einer Neuraltherapie unterziehen, bis seine Beschwerden geheilt oder dauerhaft verbessert sind.


Störfeldverdächtig sind besonders:

50% und mehr liegen im Kopfbereich (Nasennebenhöhlen, Kieferhöhlen, Tonsillen (Mandeln), Narben der Tonsillen-OP, Rachenraum und besonders die Zähne.

Außerdem treten "Wechselbeziehungen von odontonen Herden (Mundraum/Zähne) zu Organen und Gewebssystemen von den zugehörigen Muskeln (erforscht von Dr. Reinhard Voll) auf.


Bei folgenden Erkrankungen und krankheitsähnlichen Zuständen kann die Neuraltherapie sinnvoll eingesetzt werden:

Fast alle akuten Schmerz- und Entzündungszustände

Akute Beschwerden wie z. B.:

- Ischialgien, Hexenschuss, Mittelohrentzündungen
- Kniebeschwerden
- Gallenkoliken
- Herpes zoster (Gürtelrose)
- Trigiminus-Neuralgie (neuralgische Beschwerden im Gesicht)
- Kopfschmerzen
- Migräne
- Akute Schmerzen am Hüftgelenk
- Nasennebenhöhlenentzündung oder akuter Schnupfen
- Akute Rückenschmerzen

Neuraltherapie empfiehlt sich nach:

- Verstauchungen
- Brüchen
- Prellungen
- Hämatomen

Chronische Beschwerden:

- Wirbelsäulenbeschwerden

Alle Gelenkbeschwerden wie z. B.:

- Arthrose der Knie, Hüfte, Schulter, Sprunggelenke (Füße), Ellenbogen, Handgelenke, Kiefergelenke
- Rheuma
- Migräne
- Tinnitus und Morbus Meniere
- Asthma bronchiale
- Spastische Bronchitis
- Heuschnupfen
- Menstruationsbeschwerden
- Schmerzzuständen nach Verletzungen, Unfällen oder Operationen
- Schlecht heilende Wunden z. B. "offene Beine" (Ulcus cruris)
- Schmerzzuständen bei Krebsleiden
- Fibromyalgie-Syndrom
- Neuralgien aller Art

Eine besondere Domäne in der Neuraltherapie ist die Narbenbehandlung

Die Narbe wird infiltriert, sie nimmt die Farbe des umliegenden Gewebe wieder an, wildes Fleisch und Unebenheiten der Narbe gehen zurück, sie wird mit Blut versorgt und es ist kein lebloses Gewebe mehr. Nervenfasern ziehen wieder hindurch.

> In der Altersheilkunde als Verjüngung sowie Verbesserung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit bei betagten Patienten kann die Neuraltherapie ebenfalls gute Erfolge erzielen.
> Diagnostik funktioneller Beschwerden und differentialdiagnostische Abklärung einer Schmerzursache.


Kontraindikatoren:

- Bei Allergien (ganz besonders gegen das Lokalanästhetikum)
- Blutgerinnungsstörungen und Antikoagulantien - Therapie
- Schwere Infektionskrankheit und immunologische Erkrankungen
- Wenn die Haut entzündet ist.

 

Der Wirkungsunterschied zwischen Anästhesie und Neuraltherapie mit Lokalanästhetika:

Gesunde Zelle

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Kranke Zelle

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(Bild und Text einscannen)

 

"Prüft alles und das Gute behaltet - das
ist und bleibt das erste Ziel in allen
Wissenschaften und in der Medizin besonders".


HUFFELAND